Die Realschule Thannhausen swingt

Schüler der Christoph-von-Schmid-Schule und die Lehrer-Big-Band Bayern zeigten bei einem gemeinsamen Konzert ihr Können
Ein musikalisches Schmankerl allererster Güte versprach Schulleiter Marcus Langguth bei seiner Begrüßung den Gästen in der bis auf den letzten Platz besetzten Aula. Sein besonderer Dank galt der Raiffeisenbank Thannhausen, vertreten durch Vorstand Gerhard Böck, für ihre finanzielle Unterstützung dieses Abends. Deshalb war der Eintritt auch frei. Die Darbietungen von Chor- und Orchesterklassen der Realschule Thannhausen allein locken bei ihren Konzerten stets zahlreiche Besucher an, aber an diesem Abend erwartete das Publikum etwas Besonderes: Die Lehrer-Big-Band Bayern wurde vor 22 Jahren von Professor Joe Viera aus München und Lehrerinnen und Lehrern allgemeinbildender Schulen aus ganz Bayern gegründet. Über 45 aktive Mitglieder umfasst sie heute und man blickt inzwischen auf knapp 250 Konzerte zurück. Tourneen führten sie um die ganze Welt, sogar nach China und Brasilien, soeben ist die vierte CD der Formation erschienen. Die künstlerische Leitung liegt seit 2014 in den Händen eines Vollprofis, des Münchner Saxofonisten und Komponisten Hugo Siegmeth. Der Tausendsassa erhielt bereits den Bayerischen Jazz-Förderpreis und den „New Generation Award“ des BR. Außerdem ist er ein begnadeter Conférencier, der das Publikum charmant und humorvoll durch das Programm führte.
„Gnug gschwätzt, fang ma an!“ Mit diesen Worten gab Langguth die Bühne frei. Die erste Hälfte des Konzerts bestritten Chor und Blasorchester unter Irmgard Hofmann-Trini und Rainer Steber. Dem „Beetle Boogie“ von Dick Ravenal, stilsicher intoniert vom Blasorchester, folgten zwei Stücke zusammen mit dem Chor. „Siyahamba“ von Luigi di Ghisallo und „Rock my Soul“ wurden vom Publikum mit herzlichem Applaus bedacht. Keine Spur von Aufregung bei den jungen Musikern, weil da unter den Zuhörern auch „Beinahe-Profis“ saßen. Ein wenig sind sie den großen Auftritt ja schon gewohnt, immerhin hat der Chor im vergangenen Jahr mit dem Rundfunksinfonieorchester im Münchner Gasteig konzertiert und ein Jahr zuvor mit den Nürnberger Symphonikern. Ein schmissig-rockiges Medley aus „Queen“-Klassikern gab das Blasorchester noch zum Besten, dann war Pause.
Den zweiten Teil des Abends eröffnete ein gemeinsamer Auftritt von Big-Band und Schülerchor unter Irmgard Hofmann-Trini mit dem Stück „Main Bridge Dancing“. Der Chor legte vor und die Big-Band „verjazzte“ das Ganze anschließend. Hugo Siegmeth dankte den jungen Künstlern und gab seiner Hoffnung Ausdruck, man könne im nun folgenden Konzert der Big-Band mit den Jungen mithalten. Man konnte! Mit „Time waits for one“ von Sammy Nestico kam klassische Big-Band-Atmosphäre auf.
Herausragend auch der Song „Tiny Capers“ der Jazz-Legende Clifford Brown. Ein weiterer Höhepunkt des Abends war der „Utwicklingssang“ von Carla Bley, arrangiert von Georg Köster. Ein getragenes, fast meditatives Stück, bei dem ein virtuoser Marcus Langguth an der Gitarre ein vielbeklatschtes Solo hatte. Für Steve Swallows „Fall in Grace“ betrat die Sängerin Barbara Frühwald die Bühne. Ihre traumwandlerische Sicherheit in der Interpretation und ihr warmes Timbre fesselten die Zuschauer vom ersten Moment an. Mit Cole Porters „I love Paris“, ihrem derzeitigen Lieblingslied, wie sie betonte, meinte man den Scat-Gesang einer Sarah Vaughn zu hören. Swingend, präzise, mit einem unwiderstehlich vorwärtstreibenden Rhythmus zogen Band und Sängerin die Zuhörer in ihren Bann. Den Saal zum Kochen brachte schließlich der Kracher „Soul with a Capital „S“ der amerikanischen Funk-Soul-Band „Tower of Power“, wiederum mit einem famosen Langguth an der Solo-Gitarre.
Und weil selbstredend das Beste zum Schluss kommt, war die letzte Zugabe auch dem Godfather allen Big-Band-Sounds vorbehalten: Count Basie. Mit dessen „Jumpin at the woodside“ zeigte die Band ihr ganzes Können, mit messerscharfen Bläsersätzen und mitreißenden Soli. Donnernder Applaus belohnte die Künstler für einen Abend, den nicht nur Jazz-Liebhaber nicht so schnell vergessen werden.
Text: Wolfgang Werz