Vom iPad bis zum Einrad fahren

Die Christoph-von-Schmid-Schule in Thannhausen präsentiert sich bei ihrem Tag der offenen Tür als Ort des Lernens und der Charakterbildung
 

In der brechend vollen Aula lud Direktor Marcus Langguth die Eltern und vor allem natürlich die potentiellen neuen Schülerinnen und Schüler dazu ein, ihre künftige Schule ein paar Stunden auf eigene Faust zu erkunden. Musikalisch umrahmt wurde die Begrüßung von den Chor- und Bläserklassen. So erhielten die Gäste gleich einen Eindruck vom besonderen musischen Profil, das die Realschule Thannhausen auszeichnet. Und dann ging’s los: Lehrer und Schüler hatten sich wieder einiges einfallen lassen, um ihre Gäste zu beeindrucken.
Das konnte man gleich nebenan im Werkraum feststellen. Lehrer Peter Herz hatte die ganze Palette an Werkstücken aufgebaut, die im „Profilfach Werken“ von Schülern aus verschiedensten Materialien wie Holz, Papier, Ton oder Kunststoff hergestellt werden.
Im Trakt der Naturwissenschaften ging es am lautesten zu. Die Chemielehrer Sebastian Breu und Canan Yasevas zeigten spektakuläre Schauversuche. Bei der Mehlstaubexplosion endete die Stichflamme knapp unter der Decke des Chemiesaals . In der Biologie regte das Original-Präparat eines Hai-Kiefers bestückt mit rasiermesserscharfen Zahnreihen zum Gruseln an. Wie ein Tischtennisball mittels kontrollierten Luftstroms scheinbar mitten im Raum schwebt, war bei den „Experimenten zum Selbermachen“ im Physiksaal zu bestaunen. Auch Mathematikunterricht hat heute seinen Schrecken weitgehend verloren. Auf dem „Whiteboard“ und mit dem Mathe-Programm „Geobra“ wird so etwas Abstraktes wie Geometrie auf einmal anschaulich und spannend.
Den Unterricht der Zukunft gab es nebenan zu besichtigen:
An der Realschule Thannhausen gibt es seit diesem Schuljahr die erste „Tablet-Klasse“. Die Schüler haben einen Teil ihrer Schulbücher nun in digitaler Form auf ihren Tablets immer dabei. So wird beinahe spielerisch Medienkompetenz gefördert. Ein individualisiertes Lernen nach eigenem Tempo wird möglich, und dies in sämtlichen Fächern. Die Schüler zeigen sich hoch motiviert.
Die Grundlagen für die Medienkompetenz werden im IT-Unterricht vermittelt. Joachim Freitag stellte das Fach in all seinen Facetten vor.
Wem jetzt schon der Kopf schwirrte, konnte sich bei Kaffee und Kuchen eine kleine Auszeit nehmen. Die Fachschaft „Haushalt und Ernährung“ hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und ein opulentes Kuchenbuffet für die Gäste gezaubert.
So gestärkt war man bereit für die Gesellschaftswissenschaften. Der Fachbereich Religion wusste mit einer Bibelausstellung zu beeindrucken, in Erdkunde konnten Eltern und Schüler ihr Wissen in einem Länderquiz testen und die Historiker schließlich hatten eine Reise durch die Geschichte anhand berühmter archäologischer Fundstücke parat. Dass Geld die Welt regiert, bewies der Fachbereich Wirtschaft mit einem Börsen-Monopoly und einer Schau zur Geschichte des Euro.
Was wären wir ohne die Sprache? Wer seine Muttersprache nicht in Wort und Schrift beherrscht, der hat es schwer in unserer Gesellschaft. Johanna Heymann, die Fachbetreuerin für Deutsch, betonte jedoch, dass man in der fünften Jahrgangsstufe einen spielerischen, kindgerechten Zugang suche, z.B. bei einem „Schwere-Wörter-Quiz“, das sie sich für die Gäste ausgedacht hatte. Ähnlich phantasievoll und kreativ präsentierten sich auch die Fachschaften Französisch und Englisch. Im Kunstsaal lud Lehrerin Heike Lenz ein, selbst kreativ zu werden. Voller Eifer schufen die Grundschüler eigene „Zufallsbilder“; zwei Blätter Papier und ein in Farbe getauchter Bindfaden dazwischen machen es möglich.
Schule soll den ganzen Menschen bilden, und dazu gehört auch der Sport.
Unter Leitung von Stefan Berger hatte die Fachschaft in der Halle einiges aufgeboten. Vom Einrad-Fahren bis zur Jonglage, alles durften die begeisterten Viertklässler ausprobieren.
In seinem Schlussvortrag hob Direktor Langguth ein besonderes Angebot der Schule hervor: Die Nachmittagsbetreuung in der „Offenen Ganztagesgruppe“. Neben einer beaufsichtigten Hausaufgabenzeit sorgen vier engagierte Betreuerinnen für abwechslungsreiche Freizeitangebote. Der Clou daran: Grundsätzlich ist all dies kostenfrei; lediglich das Mittagessen in der Mensa der Mittelschule Thannhausen muss bezahlt werden.
Kein Abschluss ohne Anschluss
Ein Besuch der Realschule eröffnet alle Bildungswege, so Langguth weiter. Viele Absolventen besuchen die FOS und erwerben dort die fachgebundene oder die allgemeine Hochschulreife. Auch der Wechsel in die 11. Klasse des Gymnasiums ist möglich.
Aber eine gute Schule dient aus Sicht des Schulleiters nicht nur dem Wissenserwerb: „Das Besondere an der Realschule Thannhausen ist der ausgeprägte Gemeinschaftssinn, der hier herrscht. Jedes uns anvertraute Kind wollen wir zu einem Abschluss führen, darüber hinaus aber auch seinen Charakter bilden und es zu einem mündigen Bürger erziehen. Dieses Ziel erreichen wir, wenn Eltern und Schule eng zusammenarbeiten.“

Weitergehende Informationen zum Übertritt, zum Probeunterricht und zum Kennenlernnachmittag am 11. Juli 2018 finden sich auf der Schulhomepage: www.rs-thannhausen.de
Text: Wolfgang Werz
Bilder: Ludwig Teichmann


Physiklehrer Florian Daniek zeigt einer 
Grundschülerin, wie sie das Modell eines kleinen Motors in Schwung bringt.