Das Judentum „live“ erleben

Eine Exkursion in das jüdische Kulturmuseum nach Augsburg


So mancher hat auf einer Urlaubsreise vielleicht schon einmal eine Moschee besucht, doch unter einer Synagoge, einem Gotteshaus für jüdische Gläubige, konnten sich die Schüler der Klassen 6 c und 6 d nicht allzu viel vorstellen, als sie im Rahmen des Religionsunterrichts am Dienstag, den 19. März, die Fahrt nach Augsburg antraten. Dort befindet sich nämlich in der Nähe des Hauptbahnhofes das jüdische Kulturmuseum und die jüdische Kultusgemeinde, die mit rund 1700 Mitgliedern die einzige in ganz Schwaben ist. Das Gotteshaus wurde vor über 100 Jahren in der Halderstraße errichtet und konnte dort bereits im Jahr 1917 eingeweiht werden. 

Bevor sie den faszinierenden Gebetsraum, der auch als Versammlungsort der Gemeinde genutzt wird, betreten durften, bekamen die Schüler, die in zwei Gruppen aufgeteilt waren, unter Anderem wissenswerte Informationen über die Bedeutung der Tora, die Heilige Schrift der Juden, die für sie so viel wie Heimat bedeutet. Ebenso erklärten die fachkundigen „Guides“, wie sie sich selbst nannten, den Schülern das Fest der „Brit Mila“ -  Beschneidung von Jungen -  am achten Tag nach ihrer Geburt, bei der sie auch ihren Namen erhalten und die als ein großes Familienfest begangen wird. Mädchen erhalten ebenso acht Tage nach der Geburt offiziell ihren meist biblischen Namen, der von den stolzen Eltern am Sabbat in der Synagoge der anwesenden Gemeinde verkündet wird. Interessiert folgten die Jugendlichen aber auch den Erklärungen über koschere (= nach dem jüdischen Gesetz „reine“) Lebensmittel, die in speziellen Läden zu erwerben sind, und deren Sortiment von koscheren Gummibärchen, die keine tierische Gelatine enthalten, bis hin zur koscheren Zahnpasta reichen. Der Höhepunkt des Ausflugs bestand jedoch in der Besichtigung der Synagoge selbst, allein schon deshalb, weil alle Jungen vor dem Betreten eine Kippa (Käppchen) aufsetzen mussten, die in einem jüdischen Gotteshaus männliche Gläubige aus Ehrfurcht vor Gott tragen. Tief beeindruckt waren alle von der überwältigenden blauen Kuppel mit dem goldenen Sternenhimmel, die an die Wüstenwanderung des Volkes Israel erinnern soll. Nachdem die Schüler auf der Frauenempore Platz genommen hatten, konnten sie neben dem Toraschrein, dem siebenarmigen Leuchter oder dem Lesepult noch viele weitere Symbole des Judentums entdecken. Fasziniert von diesen Eindrücken und ebenso interessiert an der Bedeutung dieser Glaubenszeugnisse überfielen die Sechstklässler unsere geduldigen Museumsführer zum Schluss geradezu mit ihren Fragen, die ihnen sehr sachkundig beantwortet wurden.

Da diese vielen faszinierenden Eindrücke unglaublich hungrig machten und als Belohnung dafür, dass unsere Schüler die Christoph-von-Schmid-Schule durch ihr großes Interesse und ihr vorbildliches Verhalten von ihrer besten Seite repräsentierten, kehrten wir kurzerhand noch auf einen Imbiss in dem wohlbekannten Schnellrestaurant mit dem goldenen „M“ ein. Gestärkt und voller Begeisterung das Judentum einmal hautnah erlebt zu haben, kehrten unsere Realschüler mit ihren Begleitlehrkräften Frau Alznauer, Frau Heymann und Frau Deubele am Ende dieses erlebnisreichen Vormittags schließlich wohlbehalten wieder nach Thannhausen zurück.

Ulrike Alznauer