Schule im Ausnahmezustand

Realschule Thannhausen meistert Neustart mit den zehnten Klassen

7.00 Uhr morgens, Bushaltestelle Christoph-von-Schmid-Schule Thannhausen, die Schulbusse treffen ein. Soweit ein gewohntes Bild. Aber es ist nicht irgendein Schultag, es ist der 4. Mai 2020. Die da eintreffen, werden bald merken, dass nichts an ihrer Schule  mehr so ist wie sechs Wochen zuvor.

Ungewohnt ist schon das Empfangskomitee. Die Zehntklässler  werden von ihren Klassenlehrern vor dem Schulgebäude begrüßt und sofort beginnt der Ausnahmezustand. Erste Regel: Abstand halten, eineinhalb Meter mindestens. Nein, keine Umarmungen, kein Händeschütteln, kein cooles Abklatschen der Freunde, die man so lange nicht gesehen hat. Und dann Maskenpflicht: Sie gilt grundsätzlich auf den Gängen und in der Pause. Pfeile am Boden weisen den Weg zu den Unterrichtsräumen. Dort wartet die nächste Überraschung:  Die Klassen werden geteilt und in zwei nebeneinander liegenden Räumen untergebracht, zwischen den Stühlen der vorgeschriebene Abstand. Der Clou: Vor dem Lehrerpult hängt ein transparenter Duschvorhang von der Decke  - ein Versuch, Lehrer und Schüler zusätzlich zu schützen.

Rückblende:

Kaum mehr als eine Woche hatten die Schulen im Land Zeit, sich auf diese Situation vorzubereiten. Noch an Ostern war nicht klar, wann und mit welchen Klassen der Unterricht wieder beginnen sollte. „Wir freuen uns alle, unsere Schüler nach so langer Zeit wieder zu sehen“, sagt Direktor Marcus Langguth. „Schule ist schließlich mehr als reine Wissensvermittlung, nichts ersetzt den persönlichen Kontakt zwischen Lehrer und Schüler.“ Angesprochen auf die Schwierigkeiten, die zu bewältigen waren, seufzt der Schulleiter: „Die Vorbereitung  des Neustarts war eine ungeheuer arbeitsintensive Zeit für das Schulleitungs- und das Medienteam.“ Oberste Priorität hatte die Sicherheit. Deswegen wurde ein umfassendes Hygienekonzept erstellt, das jede Situation in der Schule abbilden soll, von einer Regelung des Toilettengangs bis hin zur Nies- und Hustenetikette.

Rückblickend ist der Schulleiter auch froh, dass sich die Christoph-von-Schmid-Schule schon vor Jahren auf den Weg zur „digitalen Schule“ gemacht hat.  „Davon profitieren wir jetzt ungemein. Wir haben aktuell vier Tablet-Klassen. Für die ist digital gestützter Unterricht täglich gelebte Realität.“ Schuleigene Tablets werden zukunftsorientiert schon seit ca. zwei Jahren erfolgreich im Unterricht eingesetzt. Der Schulmanager, eine Web-Plattform für die Schulorganisation, wurde lange vor Corona eingeführt.  Sehr hilfreich ist die Microsoft-Anwendung „Teams“, die seit dieser Woche allen Schülern zur Verfügung steht. Mit ihrer Hilfe können jetzt Video-Chats mit den Klassen durchgeführt werden, sodass echtes „Homeschooling“ möglich wird.  Langguth weiter: „Auch im jetzt wieder anlaufenden Präsenzunterricht setzt sich das fort. Unser IT-Beauftragter Florian Daniek hat es mittels Tabletunterstützung möglich gemacht, dass ein Lehrer seine beiden Teilklassen per Videokonferenz simultan unterrichten kann.“

Doch wie erleben eigentlich die Schüler diesen ungewöhnlichen ersten Schultag?

„Es ist schön, alle wieder zu sehen, aber der Abstand, den man einhalten muss, ist sehr ungewohnt“, meint eine Zehntklässlerin. Ihr Klassenkamerad, der wie mehrere seiner Mitschüler auch einen Mundschutz trägt, pflichtet ihr bei: "Das Sprechen und das Zuhören fallen schwerer und der Mundschutz nervt mit der Zeit. Wir sind aber trotz allem froh, wieder richtigen Unterricht zu haben, denn schließlich geht es ja um unseren Abschluss.“

Wolfgang Werz