Das Judentum „live“ erleben – Ein Besuch in der Augsburger Synagoge

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6e hatten sich anhand eines Stationenlernens bereits im Unterricht ausgiebig mit dem Judentum befasst. So konnten sie zum Beispiel durch ein Interview erfahren, was die Heiligen Schriften der Juden sind, mithilfe eines Filmausschnittes einen Einblick über die Feier des Schabbat bekommen und verschiedene Speisen des Pessachmahls probieren. Den Abschluss und Höhepunkt dieses Themenbereichs bildete dann die gemeinsame Fahrt der Klassen 6d und 6e mit den Lehrkräften Frau Kämpfle, Frau Konrad sowie Herrn Rager nach Augsburg. Dort befinden sich nämlich in der Nähe des Hauptbahnhofes das jüdische Kulturmuseum und die jüdische Kultusgemeinde, die mit rund 1700 Mitgliedern die einzige in ganz Schwaben ist. Das Gotteshaus (Synagoge) wurde genau vor 100 Jahren in der Halderstraße errichtet und konnte dort bereits im Jahr 1917 eingeweiht werden. 

Bevor sie den faszinierenden Gebetsraum, der auch als Versammlungsort der Gemeinde genutzt wird, betreten durften, bekamen die Schüler, die in verschiedene Gruppen aufgeteilt waren, unter anderem wissenswerte Informationen über die Bedeutung der Tora, der Heiligen Schrift der Juden, die für sie so viel wie „Heimat“ bedeutet. Ebenso erklärten die fachkundigen „Guides“, wie sie sich selbst nannten, den Schülern das Fest der Bar Mizwa / Bat Mizwa, vergleichbar mit der Firmung bzw. Konfirmation im Christentum, die Jugendliche im Alter von 12 oder 13 Jahren erhalten und sodann als „Sohn / Tochter der Pflicht“ religiös erwachsen sind. Interessiert folgten sie aber auch den Erklärungen über koschere (= nach dem jüdischen Gesetz reine) Lebensmittel, die in speziellen Läden zu erwerben sind, und deren Sortiment von koscheren Gummibärchen, die keine Gelatine enthalten, bis hin zur koscheren Zahnpasta reichen. 
Der Höhepunkt des Ausflugs bestand jedoch in der Besichtigung der Synagoge selbst, allein schon deshalb, weil alle Jungen vor dem Betreten eine Kippa (Käppchen) aufsetzen mussten, die in einem jüdischen Gotteshaus männliche Gläubige aus Ehrfurcht vor Gott tragen. Tief beeindruckt waren alle von der überwältigenden blauen Kuppel mit dem goldenen Sternenhimmel, die an die Wüstenwanderung des Volkes Israel erinnern soll. Nachdem die Schüler auf der Frauenempore Platz genommen hatten, konnten sie neben dem Toraschrein, dem siebenarmigen Leuchter oder dem Lesepult noch viele Symbole des Judentums entdecken. Fasziniert von diesen Eindrücken und ebenso interessiert an der Bedeutung dieser Glaubenszeugnisse überfielen die Sechstklässler unsere geduldigen Museumsführer zum Schluss geradezu mit ihren Fragen, die ihnen ausnahmslos und sehr sachkundig beantwortet wurden.