„Wir gehen davon aus, dass jeden Tag an jeder Schule Menschen diskriminiert werden.“, so eine Mitarbeiterin der „Fachstelle für Demokratie“ in München.
Thannhausen ist zwar nicht München und an der Christoph-von-Schmid-Schule ist die Welt in vielerlei Hinsicht noch in Ordnung. Dennoch kommt es bei uns immer wieder vor, dass sich Schülerinnen und Schüler gegenseitig beleidigen und auch ein anderes Phänomen gibt uns zu denken: Social Media ist bei der Verbreitung diskriminierender Inhalte unter Schülerinnen und Schülern eminent bedeutsam. Verschiedene Gruppierungen und ihre Mitläufer nutzen die Plattformen ganz gezielt, um demokratie- und menschenfeindliche Botschaften an die jungen Menschen heranzutragen.
Genau hier sahen die beiden Lehrerinnen Ramona Mayer und Laura Steber von der Realschule Thannhausen Handlungsbedarf. Sie hatten die Idee, die Christoph-von-Schmid-Schule zum Teil des größten Schulnetzwerks Deutschlands zu machen: „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.
Laura Steber im Interview: „Durch unsere tägliche Arbeit als Lehrerinnen für die Fächer Geschichte bzw. Politik und Gesellschaft sind wir natürlich besonders sensibilisiert. Wir möchten deutlich machen, dass unsere freiheitliche Demokratie geschützt werden muss. Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler für Toleranz im Alltag sensibilisieren und für ein friedliches Miteinander in einer offenen Gesellschaft werben.“ Ramona Mayer ergänzt: „Was lag näher, als sich diesem großen Netzwerk anzuschließen? Über 5000 Schulen mit fast 2,5 Millionen Schülerinnen und Schülern sind eine starke Gemeinschaft. Das Prädikat und die begehrte Plakette an der Schule gibt es aber nicht einfach so. Es bedeutet vielmehr eine Selbstverpflichtung, so ist auf der Webseite der Organisation zu lesen.“
Aufgenommen wird eine Schule nur, wenn sich mindestens 70 Prozent der Schulmitglieder in einer geheimen Abstimmung dafür aussprechen, sich aktiv gegen Diskriminierungen, insbesondere gegen Rassismus einzusetzen.
In mühevoller Vorarbeit – während ihrer Freizeit wohlgemerkt – entwarfen Ramona Mayer und Laura Steber ihr Konzept, das sie gemeinsam mit der Klasse 10 d umsetzten. Unter dem Motto „Demokratie stärken – Toleranz leben“ gab es in der Woche vor Pfingsten Aktionen in und außerhalb des Unterrichts, die das Thema allen Mitgliedern der Schulfamilie näherbringen sollten.
So wurde das Schulhaus selbst zum Lern- und Ausstellungsort.
In einer „Grundrechtallee“ konnte man sich über die große Bedeutung der Freiheitsrechte für uns alle informieren. Auf dem „Platz der Menschenrechte“ waren herausragende Persönlichkeiten in Wort und Bild kennenzulernen. Alle Zitate, gleich welchen Alters, machten deutlich, wie zeitlos diese Forderungen sind, gleichgültig ob Eleanor Roosevelt sich einst für Religions- oder Redefreiheit aussprach oder Margot Friedländer noch kurz vor ihrem Tod betonte: „Wir sind alle gleich – es gibt kein christliches, muslimisches, jüdisches Blut. Ihr habt alle dasselbe. Seid doch Menschen!“ Eine Wertetreppe, die auf jeder Stufe universale Eigenschaften für ein gedeihliches Zusammenleben aufführte, veranschaulichte die Ideen ebenso wie die Toleranzwand, auf der sich jeder mit einem bunten Händeabdruck verewigen konnte. Die Aufzählung ist nicht annähernd vollständig. Abschluss und Höhepunkt war sicher die Formung eines riesigen „Peace“-Zeichens im Schulhof durch die Schulgemeinschaft.
Am Ende stand schließlich die geheime Abstimmung aller Mitglieder der Schulfamilie. Auch das Kollegium und alle übrigen Beschäftigten hatten Stimmrecht.
Das Ergebnis: 72 Prozent! Damit wird die Christoph-von-Schmid-Schule sich künftig „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nennen dürfen.
Direktorin Sandra Müller-Hoffmann dankte den beiden Organisatorinnen und der Klasse 10 d für ihren außerordentlichen Einsatz. Zugleich zeigte sie sich stolz auf das Votum: „Es ist eine große Freude zu sehen, dass unsere Schulgemeinschaft ein so starkes und klares Signal für ein friedliches, tolerantes Miteinander gesetzt hat.“