„Amtseinführung“ – was für ein nüchtern-technokratischer Ausdruck. Mit dem, was an einem sonnigen Mittwochnachmittag Anfang März in der festlich geschmückten Aula der Christoph-von-Schmid-Schule stattfand, hatte das wenig gemein. Lehrerkollegium, Ehrengäste und Schüler erlebten vielmehr das Gegenteil: Einen warmherzigen, wertschätzenden Empfang für die neue Schulleiterin.
Dabei hatte sie ihr Amt bereits im August vergangenen Jahres angetreten; sie führt die Schule mithin seit sieben Monaten. Die Ausgangslage war, dass damals noch in zwei Gebäuden, dem Altbau und der Containeraußenstelle, unterrichtet wurde. Die Fertigstellung des Neubaus musste koordiniert, das neue Schuljahr geplant und vorbereitet werden. Schließlich galt es, eine Einweihungsfeier zu veranstalten und während Herbstferien den Umzug in das neue Gebäude zu organisieren. Alles während des laufenden Schulbetriebs wohlgemerkt. Ein schwerer Einstand, den Frau Müller-Hoffmann mit Bravour meisterte, wie Christine Kämpfle in ihrer Einführung betonte. Als Mitglied der Erweiterten Schulleitung erlebte sie die „Neue“ ganz aus der Nähe. Sie moderierte den Reigen der Redner in charmant-launiger Weise und übergab das Wort zunächst an Monika Wiesmüller-Schwab.
Die Stellvertretende Landrätin hob in ihrer Rede besonders das hohe pädagogische Ethos hervor, das die neue Schulleiterin auszeichnet. Dies sei von der Überzeugung geprägt, dass Schule „zweimal gut sein“ müsse, gut für jedes einzelne Kind und gut für unsere Gesellschaft. Die Christoph-von-Schmid-Schule dürfe sich glücklich schätzen, sie als Direktorin gewonnen zu haben. Im Namen von Landrat Dr. Reichhart wünschte sie ihr Kraft, Weisheit und Zuversicht im neuen Amt.
Christine Kämpfle ging sodann darauf ein, was den Unterschied ausmache zwischen dem bisherigen Wirkungskreis von Sandra Müller-Hoffmann in Augsburg und dem neuen in Thannhausen. Die Fahrtzeit vom Wohnort Zusmarshausen aus sei ungefähr gleichgeblieben. Aber das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Die ländliche Idylle Thannhausens müsse jemandem, der an einer Stadtschule unterrichtet habe, wie ein Paradies vorkommen. „Manche Probleme gibt`s hier einfach gar nicht“, wie sie es formulierte.
Thannhausens Stadtoberhaupt Alois Held konnte ihr da nur beipflichten und bot in seinem Grußwort seine Unterstützung an, wann immer er als Bürgermeister helfen könne.
Die Vorsitzende des Elternbeirats, Anja Weber, hob im Anschluss hervor, wie vertrauensvoll und partnerschaftlich die Zusammenarbeit mit Sandra Müller-Hoffmann schon während der kurzen Zeit gewesen sei: „Ich freue sich darauf, mit ihnen zusammen weiter an einem Schulklima zu arbeiten, in dem Ideen wachsen dürfen, Talente aufblühen und Kinder stark fürs Leben werden.“
Bevor die drei Schülersprecherinnen zu Wort kamen, gab Christine Kämpfle einen kleinen Einblick in die weniger erfreulichen Aufgaben einer Schulleitung, den Umgang mit jugendlichen „Delinquenten“, wie sie augenzwinkernd formulierte. Von einer zugewandten, empathischen Persönlichkeit auf eine Laissez-faire-Haltung im Disziplinarischen zu schließen, sei im Falle der neuen Chefin ein Irrtum. Konsequenz und Nachhaltigkeit seien ihr wichtig, aber – und das zeichne sie aus – trotz allem setze sie auf Einsicht, einen höflichen Umgang miteinander und Lösungen, die allen gut tun.
Mariella Oswald, Lea Meier und Rosalie Nagler schilderten im Folgenden, wie Sandra Müller-Hoffmann bislang von den Schülern wahrgenommen wurde. Es gab nur Positives zu vermelden: „Die Zusammenarbeit zwischen der SMV und der Schulleitung funktioniert. Sie haben immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen.“ Und weil es quasi ein „Schulanfang“ ist, hatte die SMV der Direktorin eine waschechte Schultüte mitgebracht. Gefüllt wurde die mit allerlei Nützlichem für den stressigen Alltag: Vom Traubenzucker für den extra schnellen Energieschub über den Geduldsfaden bis zur Buchstabensuppe, falls der Chefin mal die Worte fehlen sollten.
Die Sicht des anderen Teils der Schulfamilie, die der Lehrer nämlich, brachte die Personalratsvorsitzende Bernadette Kopp dem Publikum nahe.
Es wurden bekanntlich schon einige Metaphern bemüht, wenn eine neue Schulleitung ihr Amt antrat; das des Kapitäns, der das Schiff durch unruhige Zeiten steuert, ist nur allzu bekannt. Aber keine – so Kopp – sei an dieser Stelle passender als die der Mutter. Die behält den Überblick, erkennt Potenziale, tröstet, setzt Grenzen und gibt Halt, ohne einzuengen. Eine solche Mutterfigur vereint scheinbare Gegensätze: Nähe und Führung, Geduld und Konsequenz, Wärme und Standhaftigkeit: „Und genau diese Eigenschaften trauen wir unserer neuen Schulleiterin zu.“ Am Ende ihrer Rede wandte sie sich an Frau Müller-Hoffmann persönlich: „Mögest du den Mut haben, neue Wege einzuschlagen, ohne das gewachsene Fundament zu erschüttern. Mögest du die Gelassenheit bewahren, wenn es einmal unruhig wird, und mögest du dir die Freude am Gestalten erhalten.“
Ein retardierendes Element bezeichnet in der Literatur den Kniff, die Spannung zu steigern, indem man den Höhepunkt durch das Einschieben eines weiteren Handlungsschritts hinauszögert. Solch einen Moment kündigte Christine Kämpfle nun an: Im Beisein des Ministerialbeauftragten Bernhard Buchhorn verlieh Frau Müller-Hoffmann Konstantin Petri seine offizielle Ernennungsurkunde zum Stellvertretenden Schulleiter der Christoph-von-Schmid-Schule. Eine handfeste Überraschung für ihn, denn alle hatten es bis zum Festakt geheim gehalten.
Anschließend erhielt Frau Müller-Hoffmann aus der Hand des Ministerialbeauftragten ihre Ernennungsurkunde zur neuen Schulleiterin.
Dieser Moment, so begann sie ihre Antrittsrede, sei für sie ein bewusstes Innehalten. Sie sei seit Monaten Teil der Schulfamilie und habe in dieser Zeit viel Zuspruch, Unterstützung und Wertschätzung in einem großartigen Umfeld erfahren dürfen. „Kurz gesagt: Ich hätte es nicht besser treffen können.“ Anschließend skizzierte sie ihre Vorstellungen vom Miteinander an einer Schule.
Alles sei ständigem Wandel unterworfen, auch die Schule. Sie sei lebendig und ein Spiegel unserer Gesellschaft. Und so wie sich die Gesellschaft verändere, verändere sich auch Schule. Tue sie das nicht, entferne sie sich von den Lebenswelten der Kinder und verliere den Kontakt zum Puls der Zeit. „Mein Ziel ist es, Entwicklung möglich zu machen.“
Im Zentrum alles Handelns stünden die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Wissen und Kompetenzen seien wichtig, betonte Müller-Hoffmann. Ohne Fleiß, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen seien Ziele nicht zu erreichen. Den jungen Menschen müsse vermittelt werden, dass Anstrengung sich lohne und dass Lernen Türen öffne. Darüber hinaus seien Werte wie Respekt, Toleranz und Höflichkeit jedoch keine Zusatzangebote, sondern die Grundlage für alles andere.
Sie lenkte den Blick der Zuhörer aber auch auf die Rolle der Lehrkräfte. Die seien eben nicht nur Wissensvermittler, sondern Begleiter und Mutmacher auf dem Weg der Kinder ins Leben.
An dieser Stelle dankte die Direktorin ausdrücklich Landrat Dr. Reichhart und dem Landkreis Günzburg für das neue Schulgebäude, das seinesgleichen suche, ein modernes Haus, das Lernen neu denke, Begegnung ermögliche und Perspektiven eröffne.
Ein Rückblick auf ihren eigenen Weg gab Sandra Müller-Hoffmann ebenfalls. Er liest sich wie ein stetiger Entwicklungsprozess. Von der Lehrkraft zur Seminarleiterin, von der erweiterten Schulleitung zum Konrektorat bis hin zur kommissarischen Schulleitung und nun zur Direktorin an der Christoph-von-Schmid-Schule. Und auch dieser jüngste Schritt ihrer Entwicklung sei ein ganz bewusster gewesen, indem sie sich gesagt habe: „Ja, ich will diese Schule leiten.“
Ihr herzlicher Dank galt am Ende allen Mitgliedern der Schulfamilie, im Besonderen auch dem Schulorchester unter Rainer Steber, das die Feier musikalisch begleitet hatte.
Der Festakt klang aus bei einem köstlichen Imbiss, den das Team um Frau Ulmer, Frau Schmid und Frau Steber vorbereitet hatten.
Text: Wolfgang Werz
Bilder: Wolfgang Werz
Titelbild: V.l.n.r.: Ministerialbeauftragter Bernhard Buchhorn, Konstantin Petri, Rosalie Nagler, Florian Daniek, Mariella Oswald, Frank Decke, Christine Kämpfle, Anja Weber, Sandra Müller-Hoffmann mit Schultüte, Lea Meier, Bernadette Kopp, Monika Wiesmüller-Schwab, Alois Held