Schulleben

Magie, Chaos und eine Prise Weltrettung

Das Augsburger Ensemble „Fritz und Freunde“ gastierte an der Christoph-von-Schmid-Schule. Im Gepäck: Eine Bühnenfassung von Michael Endes Kinderbuchklassiker „Der satanarchöolügenialkohöllische Wunschpunsch“.

Die Geschichte ist heute so aktuell wie bei ihrem Erscheinen 1989: Ende nutzt das Fantasy-Genre, um eine scharfe Gesellschaftskritik zu formulieren. Er zeigt, dass Egoismus und Gier die Welt an den Abgrund führen, aber Hoffnung in der Solidarität der scheinbar Schwachen liegt.

Es ist Silvester, kurz vor zwölf. Der zwielichtige Zauberrat Beelzebub Irrwitzer und seine Tante, die protzige Geldhexe Tyrannja Vamperl, haben ein Problem. Sie haben ihr Jahressoll an bösen Taten noch nicht erfüllt. Der Abgesandte der Hölle, Maledictus Made, sitzt ihnen im Nacken – bei Nichterfüllung droht die „Pfändung“ ihrer Seelen.

Ihr letzter Ausweg: Der legendäre Wunschpunsch. Ein Gebräu, das jeden Wunsch ins Gegenteil verkehrt. Um die Umwelt zu zerstören und Kriege zu entfachen, müssen sie sich paradoxerweise etwas Gutes wünschen. Doch sie haben die Rechnung ohne ihre Haustiere gemacht: Der struppige Rabe Jakob Krakel und der etwas naive Kater Maurizio di Mauro sind Spione des „Hohen Rats der Tiere“ und versuchen verzweifelt, das Unheil abzuwenden.

Die Inszenierung lebt von der enormen Körperlichkeit und Spielfreude des Ensembles: Verena Konietschke brilliert als Zauberer Irrwitzer. Mit blauer Punkfrisur und einer fast gummiartigen Akrobatik fegt sie über die Bühne. Besonders beeindruckend ist ihre stimmliche Varianz, mit der sie die Gier und den Wahnsinn ihrer Figur perfekt einfängt. Fritz Weinert bricht mit allen Klischees einer Hexe. Als schrille Diva Tyrannja Vamperl – inklusive rosa Turmfrisur und glitzernden Leggings – sorgt er für Lachsalven im Saal. In der Doppelrolle als würdevoller Sankt Sylvester bringt er zudem die nötige Ruhe und Magie ins Spiel. Julia Rieblinger verleiht dem Raben Jakob durch präzise, vogelartige Bewegungen eine stolze, fast arrogante Note, während Asa Mohr als Kater Maurizio das Publikum mit charmanter Katzenhaftigkeit um den Finger wickelt.

Trotz allem Slapstick und den rasanten Wortgefechten verliert die Aufführung die ernsten Untertöne nicht. Die Gier der Bösewichte, die für den eigenen Profit das Klima und die Natur opfern wollen, wird auch für das junge Publikum sichtbar.

Das furiose Finale gipfelt in einem Moment der Hoffnung: Wenn Maurizio die Melodie von „Bella Ciao“ anstimmt und das Ensemble in ein berührendes Friedenslied einstimmt, wird aus dem turbulenten Zauberspektakel eine Hymne auf die Freundschaft und den Schutz unseres Planeten.

Tosender Applaus belohnte die mitreißende Aufführung. Am Ende wollten die Sechstklässler gar nicht mehr in ihre Klassenzimmer, so viele Fragen hatten sie an die Schauspieler, die ihnen geduldig Rede und Antwort standen. Bleibt zu hoffen, dass das „Theater Fritz und Freunde“ bald wieder an der Realschule Thannhausen zu Gast sein wird. Großer Dank gebührt zudem Deutschlehrerin Heike Lenz, die für die Gesamtorganisation verantwortlich zeichnet.

Text: Wolfgang Werz

Bilder: Wolfgang Werz

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