Das verpflichtende Konzept „Alltagskompetenzen – Schule fürs Leben“ soll Schülern lebenspraktische Fähigkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen vermitteln. Dazu zählen zum Beispiel Ernährung, Gesundheit, Umweltverhalten, Finanz- und Konsumkompetenzen, aber auch die Berufsorientierung.
Wie bereits im vergangenen Jahr führte die Christoph-von-Schmid-Schule eine Projektwoche durch, um den Achtklässlern diese Fähigkeiten nahezubringen. Dabei setzte das Team unter der Leitung von Christine Kämpfle nicht nur auf eigene Expertise, sondern suchte auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern, um ein möglichst breites Spektrum abzudecken.
Los ging es am 20. Juli mit einem ganztägigen Besuch der Firma Wanzl an der Schule. Dies bot sich auch deshalb an, weil die Realschule Thannhausen seit 2024 ohnehin eine Schulpartnerschaft mit Wanzl unterhält. Ein ganzes Team von Lehrlingen und deren Ausbildern gestaltete einen abwechslungsreichen Mix aus der Präsentation verschiedener Berufsfelder, für die Wanzl ausbildet, und einem praktischen Teil, in dem die Schüler und Schülerinnen ihr handwerkliches Talent erproben konnten.
Für den folgenden Tag hatte man sich eine Zweiteilung überlegt. Um dem Thema „Gesundheit“ gerecht zu werden, hatte die Fachschaft Sport einen recht anspruchsvollen Indoor-Bewegungsparcours mit zwölf Stationen entworfen, der alle Möglichkeiten des Schulhauses mit einbezog, sich körperlich zu verausgaben. Als externen Partner hatte man für diesen Tag die Raiffeisenbank Thannhausen gewonnen. Annalena Rugel, Ausbildungsleiterin bei der Raiffeisenbank, und ihr Kollege Alexander Zimmer boten einen fundierten Einblick in die Arbeit des Geldhauses, informierten über Ausbildungsmöglichkeiten und erteilten den Schülern einen Crashkurs in Sachen Finanzen und Versicherungen.
Am Mittwoch stand zunächst ein Besuch bei einem weiteren langjährigen Partner auf dem Programm: Die Genusswelt Zimmermann öffnete ihre Pforten für die Achtklässler. Wie penibel die Hygienevorschriften hierzulande sind, davon konnten sich die Schüler und Schülerinnen überzeugen, als sie in Einweg-Overalls schlüpfen, ihre Haarpracht unter einem Netz verbergen und auch noch Füßlinge anziehen mussten. So präpariert begann eine interessante Führung durch die vielfältige Produktion des Werks, die bleibende Eindrücke hinterließ.
Das zweite Modul an diesem Tag stand wiederum unter dem Motto „Gesundheit“. Das Krankenhaus Krumbach hatte ein Team an die Realschule entsandt, das den Schülern die verschiedenen Kliniken in Krumbach und Günzburg sowie die MVZ-Kliniken in der Umgebung vorstellte. Dem schloss sich ein Abschnitt über die verschiedenen Ausbildungsberufe in einem Krankenhaus an. Dann ging’s in die Praxis. Eine „Gesundheitsrallye“, bestehend aus vier Stationen, verlangte den Achtklässlern einiges ab: Puls messen, einen Hindernisparcours mit dem Rollstuhl absolvieren, Organe erraten und schließlich einen professionellen Kopfverband anlegen – all das wurde mit Bravour und einer Menge Spaß bewältigt.
Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Outdoor-Aktivitäten im Kompetenzbereich „Umwelt“. Wiederum waren von jeder Klasse zwei Module zu durchlaufen. Die Organisatoren hatten sich für ein Treffen mit dem örtlichen Förster in einem nahegelegenen Waldstück sowie für eine Müllsammelaktion in Thannhausen entschieden.
Förster Thomas Stachura erwartete die Schüler bereits um 7:30 Uhr am Waldrand zwischen Thannhausen und Balzhausen und lud sie ein, den Wald einmal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Stachura vermittelte dabei nicht nur die ökologische Bedeutung des Waldes, sondern auch seine Funktion als Wirtschaftsfaktor. Neu war vielen die Erkenntnis, dass beides zusammengehört. In einem praktischen Teil durfte man das Alter und die Höhe von Bäumen bestimmen und anschließend ausrechnen, wie viele Bäume es bräuchte, um den eigenen CO2-Fußabdruck zu egalisieren. Die Ergebnisse waren gleichermaßen ernüchternd wie alarmierend.
Bei der anschließenden Müllsammelaktion bewiesen die Realschüler dann, dass sie auch anpacken können. Voller Ehrgeiz sammelten sie, was das Zeug hielt. Die Säcke füllten schließlich einen großen Müllcontainer.
Den krönenden Abschluss dieser erlebnis- und erkenntnisreichen Woche bildete eine ganztägige Exkursion aller vier Klassen zum Hauptsitz der Molkerei Alois Müller GmbH & Co. KG in Aretsried.
Susanne Müller aus der Personalabteilung begrüßte die Gäste und stellte ihr Team vor. Sie hatten mit immensem Aufwand ein außergewöhnlich abwechslungsreiches, informatives und auf die Interessen der Schüler zugeschnittenes Programm erstellt. Dies umfasste natürlich eine Führung durch die hochmoderne Produktion mit einem ausgewiesenen Fachmann. Die Schüler erfuhren aber auch, dass Müller eigene Werkstätten für die Instandhaltung seiner Lkw-Flotte unterhält. Man kann also bei Müller nicht nur Laborant oder Molkereifachfrau werden, sondern auch Mechatroniker. Besonders in Erinnerung blieb den Schülern ein Workshop, der von Rebecca Richter zum Thema „Sensorik“ geleitet wurde. Richter, die bei Müller als „Head of Sensory Insights“ fungiert, vermittelte den Realschülern die Grundlagen der Sinneswahrnehmung bei Lebensmitteln. Ein abwechslungsreiches Quiz zu den verschiedenen Geschmacksrichtungen rundete ihren Vortrag ab.
Die Resonanz unter den Schülern auf diese etwas andere Schulwoche war durchweg positiv. Wann erhält man schon die Gelegenheit, in so kurzer Zeit so viele Facetten des Alltags- und Berufslebens kennenzulernen? Und nicht zuletzt dürften einige bereits jetzt Anregungen für ihre künftige Berufswahl erhalten haben.
Text: Wolfgang Werz
Bilder: Wolfgang Werz und Christine Kämpfle